Begeisterung im Sommerkurs „CIMT“
Zum zweiten Mal wird jetzt im Heinrich-Piepmeyer-Haus ein spezieller Kurs zum Thema „Constraint Induced Movement Therapy - CIMT“ für Kinder mit Halbseitenlähmung (Hemiparese) durchgeführt. Der Kurs ist eine stationäre Fördermaßnahme für behinderte Kinder und jeweils ein Elternteil („Eltern-Kind-Kurs“), und widmet sich ausschließlich dieser Therapieform.
Die CIMT-Therapie basiert auf der Beobachtung, dass die gesunde Hand immer besser, schneller und geschickter ist als die gelähmte Hand. Die gelähmte Hand ist bestenfalls Assistenzhand. Und so wird die gelähmte Hand immer weniger eingesetzt und trainiert, was zu einem „erlernten Nichtgebrauch“ führt. In der Therapie wird die gelähmte Hand wieder herausgefordert und gefördert, indem die Gebrauchsmöglichkeiten der gesunden Hand eingeschränkt werden.
„Erstaunlich, wie schnell man eine Verbesserung im Gebrauch der gelähmten Hand sieht,“ so Andrea Espei, Ergotherapeutin und Leiterin der stationären Kurse. „Forschungsergebnisse belegen, dass es bei dieser Therapie zu neuen Verschaltungen im Gehirn kommt. Das heißt, es bleibt nicht beim Übungseffekt, sondern die Bewegungsmuster bleiben im Gehirn gespeichert, was sich letztlich auch in einer verbesserten Körperhaltung und in den einzelnen Bewegungsabläufen -trotz Halbseitenlähmung- zeigt.“
Eltern, die Fortschritte sehen, Kinder, die Fortschritte spüren: Begeisterung herrscht im diesjährigen Sommerkurs. Dass mit der Therapie auch Spiel und Spaß verbunden wird, versteht sich von selbst, und beim „Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel“ merkt so manch einer kaum, wie anstrengend es ist, mit der „anderen Hand“ zu agieren. Außerdem ist alles oft leichter in dieser Kursgruppe, in der die Kinder ein ähnliches Schicksal haben und keine diesbezüglichen Fragen beantworten müssen. Viele wollen wiederkommen und kennen andere Familien, die mit ihren Kindern ebenfalls von der CIMT-Therapie profitieren könnten.
Das Heinrich-Piepmeyer-Haus in Münster widmet sich seit über 50 Jahren der Arbeit für schwer- und mehrfachbehinderte Kinder. Seit Jahrzehnten werden mit dem sog. „Eltern-Kind-Kurs“ dreiwöchige stationäre Reha-Maßnahmen angeboten, bei denen die Kinder interdisziplinär betreut und gefördert werden: medizinisch, pädagogisch und therapeutisch bis hin zur Hilfsmittelversorgung. Der Inhalt der Kurse wurde immer wieder an sich ändernde Bedürfnisse der Patienten und Eltern angepasst. Neu sind die beiden Spezialkurse: EKK-CIMT (s.o.) und EKK-21 für Kinder mit Downsyndrom (Trisomie 21), die jeweils ein bis zweimal pro Jahr angeboten werden. Bereits zum dritten Mal wird demnächst der Spezialkurs „Auf neuen Wegen – Gehen mit dem Lokomaten“ stattfinden.
Münster, 16.08.2011/Fk


